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  • borgerborger
[vc_column_text]Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grootste_hunebed_van_Nederl.jpg Der Eigner des Bildes, Gouwenaar, hat das Bild als Gemeinfrei veröffentlicht..[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="5/6"][vc_column_text]
Monolithische Hünengräber
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im Norden der Niederlande
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von
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GardenStone

 

huenen2Hünengrab in der niederländischen Provinz Drente

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Im Norden der Niederlande, in der Provinz Drente, liegen fast über die ganze Provinz verteilt merkwürdige Steinhaufen. Große Steine, jeder mit einem Durchmesser von etwa einen Meter, in einem flachen Kreis aneinandergestellt und mit anderen, noch größeren flachen Steinen abgedeckt. Hünengräber nennt man sie. Sie sind beeindruckende und fremde Bilder einer längst vergangenen Epoche.

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huenen1Die niederländische Provinz Drente: Die kleinen schwarzen Quadrate bezeichnen die Lage der Hünengräber.

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Teufel, Spukgestalten, Riesen, Germanen, Kelten, Normannen und Trichterbecherbauern - in drei Jahrhunderten voller Behauptungen, Theorien und Phantasien über der wirkliche Zweck der Hünengräber wurden sie alle mit einbezogen. Immer wieder änderten sich die Meinungen, und jedesmal sah man die megalithischen Monumente mit anderen Augen.

Haben unsere heutige Kenntnissen und Untersuchungsmethoden uns letztendlich die wirkliche Bedeutung dieser Steinhaufen preisgegeben, oder ist nur wieder ein neuer wissenschaftlicher Mythos geschaffen?

Bis heute wird die Phantasie der Zuschauer angeregt, wenn sie vor diesen Monumenten stehen. Noch immer strahlen sie eine geheimnisvolle Faszination aus.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts assoziiert man Hünengräber mit einer primitiven, unzivilisierten Bevölkerung aus der Urzeit. Zugegeben, die Erbauer der Hünengräber hatten keine Elektrizität, keine Flugzeuge, kein Plastik, aber man versuche nur, sich vorzustellen, über welche technischen Kenntnisse man verfügen muß, um diese riesigen Steine mehrere Kilometer zu transportieren - und das ohne LKW -, sie genau an einer bestimmten Stelle in einer bestimmten Position aufzustellen und sie sogar, wo das notwendig war, in der Form anzupassen.

In allen unterschiedlichen Theorien wurden die Hünengräber immer mit den Tod in Verbindung gebracht.

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Die Säulen des Herkules

Die Wiederbelebung (Renaissance) im 16. Jahrhundert in den Niederlanden hatte auch ihren Einfluß auf die Hünengrab-Theorien; ein damaliger Historiker meinte in den Hünengräbern die von der Römer Tacitus beschriebenen Säulen des Herkules wiederzuerkennen. Er schrieb: äDie Säulen des Herkules kann man bei Rolde (Städtchen in der Provinz Drente) sehen. Der Mangel an Straßen und Schiffen und die Anwesenheit einzelner großer Steine in diesem sumpfigen Gebiet läßt vermuten, daß diese großen Steine von Teufeln dorthin gebracht worden sind und unter dem Namen Herkules angebetet wurden. Auf den Säulen liegen Altarsteine. Dort wurden von den Einwohnern der Gegend Menschenopfer gebracht; bevorzugt wurden Fremde, die man zwang, durch eine enge Öffnung bis unter die Altarsteine zu kriechen, während sie mit Mist beworfen wurden, bevor man sie tötete."

Der christliche Bonifazius soll diesen Brauch beendet haben.

Ein anderer Historiker aus demselben Jahrhundert meinte, in Drente solle ein riesiger Römerheer gelagert haben, das von dem Germanenstamm der Friesen geschlagen und vertrieben wurde. Diese Friesen sollen die Steinhaufen dann als Siegesmonumente gebaut haben.

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Barbarische Riesen

Im 17. Jahrhundert behauptete ein geistlicher Historiker auf Grund eines Bibeltextes (Genesis, (6:4)), daß die Steinhaufen von Riesen gebaut wurden.

"Es sind Gräber grausamer, barbarischer und gefühlloser Riesen, Hünen, Giganten, Kinder der Enakim, Enim, Nephilim, Rephaim, Menschen des entsetzlichen Satans, mit großen Kräften und bestialischer Grausamkeit, ohne jeglichen Respekt vor Gott und den Menschen, geboren zum Verderben des Menschengeschlechts."

Er glaubte, dieses gottloses Riesengeschlecht sei von den Sintflut vertilgt worden. Ihre Assoziation mit dem Heidentum und dem Teufel in dieser Zeit wird wohl Ursache dafür gewesen sein, daß damals so viele Hünengräber vernichtet wurden.

huenen4Menschenfressende barbarische Riesen bei einem Hünengrab. (1660)

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Die angeführten Beweise waren hier etymologischer Art; Hüne wurde abgeleitet von 'Huyne' und bedeutete 'Riese'. Als dann Resten menschlicher Knochen unter den Hünengräbern gefunden wurden, meinte der Forscher Picardt, der bekannteste Anhänger der Riesentheorie, daß die Menschen diese Stellen weiterhin benutzten, nachdem die Riesen verschwanden.

Andere Forscher meinten, 'Hüne' käme von 'Hunne', den Mitgliedern des germanischen Stammes der Hunnen, von deren Führer Attila die meisten unter uns schon gehört haben werden. Nach dieser Theorie haben die Hunnen diese Steinhaufen gebaut.

Wieder andere Forscher meinten entdeckt zu haben, daß 'Hüne' entlehnt wäre von 'Heene' (Leichnam) und damit die Hünengräber Aufbewahrungsorte für die Toten seien. Alle diese Theorien beruhten aber ausschließlich auf schriftlichen Quellen.

Im 18. Jahrhundert wuchs das Interesse an historischen Schriften, und der Begriff 'Altertümer' (Antiken) bekam neuen Inhalt: Jetzt meinte man damit wirklich entdeckte oder ausgegrabene Dinge aus früheren Zeiten statt deren Beschreibungen und Abbildungen . Damit entstand faktisch die Archäologie als Wissenschaft, wenn auch noch nicht als universitäres Studium.

Zu diesem Zeitpunkt begann man mit gezielten Ausgrabungen in der Provinz Drente, um vielleicht Hinweise zu finden, die mehr über die Hünengräber aussagen könnten.

Aus den Funden schloß man, daß der Bau dieser Monumente Menschenwerk sei. Zuerst schrieb man sie den 'Bataven' zu, einem Germanenstamm, dann entwickelte ein anderer Historiker die Theorie, sie seien von Normannen gebaut worden, die Drente kolonialisiert hätten.

Als man dann am Ende des 18. Jahrhundert durch die vorhandenen gebirgsbildenden Gesteine entdeckte, daß die Erde viel älter war, als man bislang angenommen hatte, kam man auf den Gedanken, daß auch die Hünengräber viel älter sein könnten.

Daraufhin 'bewies' im 19. Jahrhundert ein bekannter Gelehrter, daß die Kelten die Erbauer der Steinhaufen waren, und dies wurde über Jahrzehnte in den Schulen unterrichtet.

Als aber im selben Jahrhundert der Begriff Eiszeit aufkam und man davon sprach, daß die Ausläufer des skandinavischen Landeises bis in die Niederlanden gereicht hatten, fand man eine befriedigende Erklärung für die Anwesenheit solch großer Steine in Drente. Es wurde nun auch deutlich, daß die Geschichte der Erde viele hunderttausend Jahre weiter zurückging, als man angenommen hatte.

Nachdem der Schwede Thomsen im Jahre 1836 seine Einteilung der Geschichte publizierte, - von ihn stammt der Begriff Prähistorie, unterteilt in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit - in der er zum ersten Mal einen Zusammenhang zwischen dem Material der Werkzeuge und den aufeinander folgenden Zeitabschnitten herstellte, kamen ernsthafte Zweifel an der Keltentheorie auf, da man den Kelten damals schon den Gebrauch von Metall unterstellte.

Es versteht sich, daß dieses Umdenken sich nur sehr langsam durchsetzte; schließlich hatten bekannte Historiker ihre Reputation teilweise ihren Hünengräber-Theorien zu verdanken.

Im 19. Jahrhundert entdeckten dann auch die Touristen die Provinz Drente und damit die Hünengräber. Viele aus der Oberschicht der Bevölkerung besuchten die Monumente. Dadurch kamen mehrere Publikationen zustande, die nicht so sehr historischer Art, sondern eher Reiseeindrücke waren, die ohne direkte historische Untermauerung ältere Theorien wieder ans Tageslicht brachten. So meinte ein Autor, die Hünengräber seien doch keine Gräber gewesen, sondern Altäre. Diese Schriften wurden jetzt aber in wissenschaftlichen Kreisen als Phantasie abgetan.

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Trichterbecherkultur

huenen5Ein Trichterbecher

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In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hatte die Archäologie deutliche Fortschritte gemacht und aus vielen Ausgrabungen ebensoviel neues Wissen errungen. Mit der wachsende Anerkennung der Hünengräber als wichtige kulturhistorische Monumente wuchs auch die Sorge, sie zu erhalten, und erste Schutzmaßnahmen wurden in die Wege geleitet. Der wichtige Archäologe van Giffen ordnete die Hünengräber den Kulturresten des sogenannten Trichterbechervolkes zu, welches er auf die Zeit zwischen 2700 v.Chr. und 2300 v. Chr. datierte. Er publizierte auch ein Buch, in dem alle bekannten Hünengräber aufgezeichnet waren, mit Standort und Bild.

Diese Zeit der genaueren Untersuchungen führte auch zu der Entdeckung, daß alle Gräber auf einer Ost-West-Linie gebaut waren und ihre Öffnung Richtung Süden hatten. Über die Gründe dafür ist viel spekuliert worden; ob diese nun praktischer oder religiöser Natur waren, wird wohl niemand mehr endgültig erfahren.

Aufgrund neuerer Methoden der Altersbestimmung archäologischer Funde nimmt man heute an, daß die Hünengräber in der Zeit zwischen 3450 v.Chr. und 2900 v. Chr. erbaut wurden, einer Zeit, die auf der Zeiteinteilungsskala zum frühen Neolithikum gerechnet wird. Als Erbauer wird auch heutzutage das Trichterbechervolk angenommen. Aus archäologischen Funden schließt man, daß diese Menschen ein Volk von halbseßhaften Bauern waren, die Ackerbau und Viehzucht betrieben und nebenbei auch jagten. Sie verwendeten geschliffene Äxte aus Stein und stellten hochwertige Tontöpfe für den Haushalt her. Der typischen Trichterform vieler gefundene Tontopfreste verdanken sie ihren Namen; diesen bekamen sie also von den Archäologen. Wie sie sich selbst nannten, ist nicht bekannt.

Für die Archäologen und Historiker steht fest, daß diese imposante Steinmonumente Gräber waren. Weshalb aber gerade solche Megalithmonumente gebaut wurden, ist immer noch Diskussionspunkt. Eine häufig gehörte Auffassung ist die des Engländer Renfrew, der in seiner Theorie der Neolithischen Revolution erklärt, daß bei der 'Einführung' des Ackerbaus große Änderungen im Leben der damaligen Menschen auftraten: Die Bauern sollen in kleinen Dorfgemeinschaften gewohnt und von dem gelebt haben, was die Ernte brachte. Als die Ernte für die wachsende Zahl der Dorfbewohner nicht mehr ausreichte, änderte sich nicht die Sozialstruktur. Statt dessen zog ein Teil des Stammes weg, auf der Suche nach einem neuen Ort, wo man sich ansiedeln konnte. Solche nomadischen Gruppen stellten eine Bedrohung für die bereits ansässige Bevölkerung dar, die daraufhin ein 'Imponier-Verhalten' entwickelte. Dieses Phänomen haben Forscher bei andere 'primitiven' Völkern und bei vielen Tierarten gefunden. Dieses Verhalten äußerte sich darin, daß verschiedene kleine Dorfgemeinschaften sich zusammenschlossen und große Steinmonumente erbauten, damit potentielle Einwanderer sofort wußten, daß sie sich in schon bewohntem Gebiet befanden und die Rechte an diesem Land schon 'vergeben' waren.

huenen6So stellte man sich um 1950 die Hünengrabbauer(n) vor

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Soweit haben über drei Jahrhunderte des Theoretisierens aufgrund unterschiedlichster Quellen (Schriften, Ausgrabungen usw.) uns jetzt gebracht. Trotz aller neuen Fakten und Ansichten ist der Schleier der Mystik und das Mysterium, das die Hünengräber schon so lange Zeit umgibt, kaum durchsichtiger geworden. Wie werden kommende Generationen diese beeindruckenden Monumente aus längst vergangenen Zeiten wohl sehen?

Ein Besuch solcher Hünengräber ist bestimmt eine besondere Erfahrung. Da eine Besichtigung aller 54 Hünengräber vielleicht etwas zu viel des Guten ist, wäre es zu empfehlen, im Dorf 'Borger' anzufangen. In dieses Dorf liegt ein schönes Hünengrab. Direkt daneben liegt ein Informationszentrum über Hünengräber, wo man nicht nur Informationen erhält, sondern auch Bücher, schöne Bilder, mit einem Hünengrab bedruckte T-Shirts usw. kaufen kann. Zu finden ist dieses Informationszentrum dort an der Bronnigerstr. 12.

Drente grenzt an Niedersachsen, Borger liegt etwa eine kleine Autostunde nordwestlich von Nordhorn.

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