Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hylestad_I,_right.jpg

Dieses Edda-ähnliches Gedicht wurde im 18. Jahrhundert von Gunnar Pálsson komponiert (1714-1791), ein in Schweden geboren isländischen Priester, Lehrer, Gelehrter und Dichter.

Unter anderem forschte Palsson in der isländischen Geschichte und hatte gute Kenntnissen der alten isländischen Poesie. Für sein persönliches Vergnügen schrieb er mehrere Gedichte im Stil der Skalden aus der Edda. Sein Gedicht “Gunnar slagr ‘war so gut gemacht, dass einige Zeit viele dachten, es sei ein echtes, wiederentdecktes Edda-Gedicht, und es wurde sogar in einige Edda Ausgaben aufgenommen.

Pálsson selber hat nie behauptet, das sein Gedicht alt sei, weder hat er jemals versucht, seine Urheberschaft zu verbergen. Es ist sehr gut möglich, dass der Autor der Titel seines Gedichts nannte nach einem möglicherweise verloren gegangenes Gedicht aus dem 14. Jahrhundert mit dem gleichen Namen. Diese Annahme basiert sich auf eine Stelle in der “Norna-Gestr þáttur ‘, eine Saga aus dem 14. Jahrhundert, in dem es am Ende des 2. Kapitels lautet:
Tekr Gestr hörpu sína ok slær vel ok lengi um kveldit, svá at öllum þykkir unað í á at heyra, ok slær þó Gunnarsslag bezt.
Übersetzt: Gest nam seine Harfe und spielte bis spät in den Abend schöne Lieder und alle waren entzückt als sie es hörten.
Am Besten spielte er Gunnars Melodie.
Übersetzung GardenStone

Das Gedicht behandelt ein Thema aus der nordischen Nibelungen Sage, die in mehreren Gedichten in der Lieder-Edda verarbeitet ist. In dieser Sage ließ den Hunnenkönig Attila (Etzel) König Gunnar in einen Garten voller Schlangen bringen damit er durch giftige Schlangenbisse getötet werden sollte. Bis auf eine Schlange gelang es Gunnar alle Schlangen in Schlaf zu bringen indem er mit seinen Zehen die Harfe bespielte. Die eine Schlange die wach geblieben war biss ihn aber ins Herz – dieser Schlange war Attils Mutter die sich in einer Schlange verwandelt hatte.

Hier folgt das Gedicht neben einander auf Altnordisch und in der Übersetzung von Karl Simrock.

Ár var þat Gunnarr Gördiz at deyia
Giúka sonr At Grábaks sölvm
Fætur voro lavsir Á fylkis niþ
En hendvr heptar Havrþom fiötri.

Fengin var harpa Fólk-diörfvm gram.
Íþrótt sýndi Yl-qvisto om hrærþi.
Steig haglega Havrpv-strengi.
Vara sú list leikin Nema lofþúngs kvndi.

Saúng þá Gunnarr Sva mælandi.
Feck mál harpa Sem maþr væri.
En eigi sætara Þó svanr væri.
Glvmdi orma salr Viþ gvllnom strengiom.

Mína veit ek systor Manni verst gefna
Ok Niflúnga Níþíngi festa.
Heim bauþ Atli Haugna ok Gunnari
Mágvm sínum En myrþi báþa.

Víg lét þá Fyri veizlo taka
Ok orrosto Fyri öl-teiti.
Þat man æ vppi Meþan avld lifir.
Léka sva viþ mága Mangi forþom.

Hví þú sva Atli Heiptir rækir.
Siálf olli Brynhildur Sinom dauþa
Ok SigurÞar Sárom bana.
Hví vildir Gudrúno Grætta láta.

Sagdi hvginn forþom Af hám meiþi
Ossar ófarir At mavg dauþan.
Sagði mér Brynhildur Bvþla dóttir
Hve Atli mvndi Oss vm væla.

Gat þess ok Glaumvör Er viþ gistom bæþi
Hinnsta sinni Í hvílv einni.
Minni varo málo Megnir dravmar.
Farattv Gunnarr Flár er þer nú Atli.

Davr sá ek þínom Dreyra roþinn
Gálga gavrvan Giúka syni.
Hvgda ek þér dísir Heimboþ gavra.
Mano yckr bræþrvm Búin vélræþi.

Qvaþ oc Kostbera. Qven var hon Högna.
Rúnar villt ristnar Ok rádna dravma.
Snotvrt var hiarta Í siklínga briósti.
Hvargi knátti hræþaz Harþan dauþa.

Oss hafa nornir Aldr vm lagit,
Örfvm Giuka At ÓÞins vild.
Má viþ avrlögum Engi siá
Né heillvm horfinn Hvgom treysta.

Hlær mik þat Atli At þú hefir eigi
Hrínga rauþa Sem HreiÞmarr átti
Einn veit ek hvar fé þat Fólgit liggr
Síþan þér Högna Til hiarta skáro.

Hlær mik þat Atli At þér húna kindir
Hlægianda Havgna Til hiarta scárvþ.
Hnipnaþit Hnuflúngi. Viþ holvndo
Ne sér vid brá Sáran davþa.

Hlær mik þat Atli at þú hefir látna
Menn þína marga Er mætstir váro
For ossom sverþom Áþr svellta fengir.
Hefir oc mær systir Meiddan þinn bróþvr.

Skal-at enn Gunnarr Æþrv mæla
Giúka sonr At Gravitnis bóli.
Ne hryggr koma til Heria-favþvr
Hefir fyrr Bvþlúngr Bavþvi vaniz.

Fyrr skal mér Góinn Grafa til hiatta
Ok Níþ-havggr Nýro siúga.
Linur ok Láng-bakr Lifror slíta.
Enn ek minni hafni Hvgar-prýþi.

Þess man Gudrún Grálega reka
Er ockr lét Atli svikna.
Hon man þer konúngi Hiörtv géfa
Húna þinna Heit at qveld-verþi.

Ok blandinn miöþ Blóþi þeirra
Dreckr þú or skálom Skarar-fialla
Sú mvn þik hvgraun Harþast bíta
Er þér Gudrún bregdr Glæpvm slíkvm.

Skömm man þín æfi At skiòldúnga liþna.
Fær þú illan enda Af orvm sif-spellvm.
Er þér slík maklig Af vmsýslan vorrar
Systvr sár-neyddrar Svik þér at gialda.

Man þik Gudrún Geiri leggia
Ok Niflúnger Nærri standa
Leika man þin havll Í loga rauþom
Síþan mantv á Náströndvm Níþ-havggvi gefinn.

Sofinn er nú Grábakr Ok Grafvitnir
Góinn ok Móinn Ok Graf-völlvþr
Ofnir ok Svafnir Eitvr-fánir
Naþr ok Niþ-havggr Ok nöþror allar.
Hríngr, Höggvarþr Fyri Havrpv-slætti.

Ein vakir vppi Atla móþir
Hefir sú mik hol-grafit At hiarta-rótvm.
Lifvr vm sýgr Ok lúngv slítr.
Erat lengvr líft Lofþúngs kvndi.

Hættv nú harpa Héþan mvn ek líþa
Ok Val-havllo Víþa byggia
Drecka meþ Ásom Dýrar veigar
Seþiaz Særimni At svmblvm ÓÞins.

Nú er Gvnnars slagr Gavrva qveþinn.
Hef ek havldvm skémt Hinnsta sinni.
Fárr man enn síþan Fylkir il-qvistvm.
Hlióþ-fagra svegia Havrpo-strengi
Einst wars daß Gunnar den Tod erwartete,
Giukis Sohn, in Grabaks Saal.
Die Füße waren frei dem fürstlichen Erben,
Die Hände mit hartem Haft gebunden.

Die Harfe gab man dem streitkühnen Helden,
Da zeigt er die Kunst mit den Zweigen der Füße.
Herrlich trat er die Harfenstränge;
Wie der König konnte keiner spielen.

Solchen Gesang sang da Gunnar;
Die Harfe spricht mit menschlicher Stimme,
Nicht süßer sänge sie, wär sie ein Schwan;
Der Wurmsaal schallt von der Saiten Gold.

Die Schwester sah ich unselig vermählt
Ihm, der den Bund den Niflungen brach.
Her lud Atli Högni und Gunnar,
Seine Schwäger beid, sie zu ermorden.

Statt voller Kelche ward ihnen Kampf,
Mordlich Gefecht statt fröhlichen Mahls.
So lange Leute nun leben, heißt es:
so falsch an Freunden tat keiner zuvor.

Wie ahndest du, Atli, also den Zorn?
Brynhild stach sich selber tot,
Sie, die Sigurden erschlagen ließ.
Was willst du Gudrunen drum weinen lassen?

Der Rabe schrie heißer vom hohen Baum,
Uns gefährde das Leben des Schwagers Fall.
Auch sagte mir Brynhild, Budlis Tochter,
Uns werde Atli übelisten.

Glaumwör wußts es wohl zuvor,
Da wir zuletzt beisammen lagen.
Widrige Träume schreckten mein Weib:
Fahre nicht, Gunnar Falsch ist dir Atli.

Deinen Speer gerötet sah ich von Blut,
Den Erben Giukis den Galgen erbaut.
Ich dachte, die Disen lüden dich:
Drum traut nicht, Brüder, man will euch betrügen.

Auch hub Kostbera an, Högnis Vermählte,
Von verritzten Runen abratenden Träumen.
Doch kühn war das Herz in der Helden Brust,
Sie bangten beide nicht vor dem bittern Tod.

Uns ist von den Nornen das Alter bestimmt,
Uns Erben Giukis, nach Odins Willen.
Wider das Schicksal, mag niemand sich setzen,
Noch von Heil verlassen dem Herzen vertraun.

Mich lächert, Atli, daß du lassen mußt
Die roten Ringe, die Reidmar besaß.
Ich weiß allein nun, wo sie verborgen sind,
Seit ihr dem Högni nach dem Herzen schnitt.

Mich lächert, Atli, daß dem lachenden Högni
Den hunnisch Heer nach dem Herzen schnitt.
Nicht ächzte der Niflung, als das Messer eindrang,
Verzog nicht die Braue bei dem bittern Tod.

Mich lächert, Atli, daß du lassen mußtest
So manchen der Mannen, der mutigsten gar,
Durch unsere Schwerter, eh dus vollbrachtest.
Unsre hehre Schwester erschlug dir den Bruder.

Kein furchtsam Wort bringt Gunnar vor,
Giukis Sohn, in Grafwitnirs Höhle.
Nicht wir er harmvoll Heervatern nahn,
Längst ist der Fürst der Leiden gewöhnt.

Eher soll Goin ans Herz mir graben
Und Nidhöggr die Nieren saugen,
Linn und Langbackr die Leber zehren,
Ehe der Gleichmut Gunnarn verläßt.

Doch wird es Gudrun grimmig rächen,
Daß uns Atli also betrogen hat.
Sie wird dir, Herrscher, die Herzen bringen.
Deiner Söhne gesotten zum Abendschmaus.

Aber mit Met vermischt ihr Blut
Sollst du aus der Schädel Schalen trinken.
Am härtesten härmt dir aber das Herz,
Wenn dich Gudrun feige und grausam schilt.

Kurz währt dein Leben nach der Könige Tod,
Böses bringt dir der Verrrat an den Brüdern:
Wohl scheinst du es wert, daß wir durch die Schwester,
Die notgezwungene, den Treubruch zahlen.

Dich wird Gudrun mit dem Speer durchbohren,
Zur Seite soll ihr Niflung stehen.
Hohe Lohe wird deine Halle umspielen,
Und dann in Nastrand dich Nidhöggr saugen.

Grabak schläft schon und Grafwitnir,
Gion und Moin und Grafwölludr,
Ofnir und Swafnir, die giftgeschwollenen,
Nadr und Nidhögger und die Nattern alle,
Hring und Höggwardr, vom Harfenschalle.

Alleine wacht noch Atlis Mutter:
Die wendet das Herz mir bis an die Wurzel,
Saugt mir die Leber, frißt mir die Lunge,
Läßt nicht länger den König leben.

Verhalle Harfe, von hinnen muß ich,
Das zweite Walhall bewohnen fürderhin,
Mit den Göttern trinken den teuern Met,
Von Sährimnir speisen in Odins Saal.

Gunnars Harfenschlag ist ausgesungen,
Mein Lied erlabt euch zum letzten Mal.
Kein Fürst wird hinfort mit der Füße Zweigen
Die hellen Saiten der Harfe schlagen.

 

 

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