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  • GleichGleich
[vc_column_text]Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit, 2008, veröffentlicht in 2011. Daten von UNDP. Urheber: Gromat. Freigegeben unter derder Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright. Gemeinfrei. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gender_Inequality_Index_2008.png?uselang=de[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="5/6"][vc_column_text]

Frauen in Asatru

oder

zu welchen Gedanken

ein Mann sich aufschwingen

kann, wenn er einer

Göttin dient

[/vc_column_text][vc_column_text].Der etwas anngepasste Text eines Vortrags von GardenStone auf dem Eldathing des Asatruvereins Eldaring in September 2004..[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width="1/6"][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="5/6"][vc_column_text]

"Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen." Thomas von Aquin

So gesehen... lass nichts aus, lass nichts unversucht..... genieße das Leben, koste es aus, und wenn du das alles hinterher dann bereust, dann muss es wohl dein Wyrd gewesen sein, bereuen wirst du eh alles sowieso, nach dem alten Aquin. Dazu kommt dann noch folgendes Zitat:

Und aus der Finsternis hub eine Stimme an und sprach zu mir:
"Lächle und sei fröhlich, es hätte noch viel schlimmer kommen können!"
Also lächelte ich und ward fröhlich - und siehe da! und siehe da!
Es kam tatsächlich noch viel schlimmer! Aus dem Weistum des Alten vom Berge

Wenn man dann dabei nicht aufhört zu lachen, wird man mit dem ‚bereuen’ hinterher auch schon zurechtkommen ..... lachend.

Denn:

"Die großen Augenblicke im Leben kommen unvermutet, es macht keinen Sinn auf sie zu warten. " Thornton Wilder.

Also, sei aktiv, gehe alles mit offenen Augen an, unternimm etwas, scheue dabei nicht akzeptable Risiken, denn

"Wer sich nicht in Gefahr begibt, der kommt drin" Wolf Biermann

Du bleibst dabei aber Teil der Gesellschaft, und es wird dann schon passieren, dass dein Handeln nicht übereinstimmt mit herrschenden Werten:

"Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind." Kurt Tucholsky

Daher musst du nicht unbedingt protzen mit deinem ‚Tun’ und ‚Getue’; wenn’s nicht anders geht, wenn’s einfach besser für dich ist, dann schweige an den richtigen Stellen.

Mit diesen Worten im Kopf fing ich an, diesen Vortrag zu schreiben, und habe sie jetzt noch immer im Kopf. Das ist schon eine Unterstützung bei diesem Unternehmen. Als Mann einen Vortrag zu halten, einen Text zu schreiben über Frauen - denn um sie muss es bei Gleichberechtigung an erster Stelle gehen - mag wohl schon bis an die äußersten Grenzen des Törichten gehen. Das aber dann auch noch zu verbinden mit Heidentum generell und Asatru ins Besondere, wird solche Grenzen wohl weit hinter sich lassen. Wenn ich das dennoch tue, wird aber bestimmt nicht alle befremden, insbesondere nicht diejenigen, die meine Bücher gelesen haben.
Asatruleute haben, wie viele andere Heiden, sowieso schon jeder oder jede eine eigene Meinung über ihre Religion, sie interpretieren ihre Mythen und Sagen nach individuellem Befinden und füllen die vielen großen Lücken in der Geschichte meistens eher gefühlsmäßig als mit nachvollziehbarer Logik.
So ein Publikum seid ihr auch, vermute ich.

In einigen Hinsichten meine ich so ab und zu ‚das Weibliche’ in der Frau zu verstehen, und jedes Mal wenn ich dann zufrieden zu mir sage: „Ha, ich hab's doch gewusst“, dann passiert wieder etwas ganz anderes als ich erwartet habe. Dann sollte ich doch so dann und wann dem neulich verstorbenen Peter Ustinov beipflichten, als er einmal seufzte:

"Die Frauen sind so unberechenbar, dass man sich nicht mal auf das Gegenteil dessen verlassen kann, was sie sagen."

Obwohl, als ich darüber etwas länger nachdachte, dies nicht speziell eine Eigenschaft der Frauen ist. Da erinnere ich mich an einen Elektriker, der zusagte um neun Uhr zu kommen, den ganzen Tag aber nicht kam. Als ich dann am nächsten Tag anrief, sagte er halb entschuldigend: „Ja, es ist etwas dazwischen gekommen, es geht diese Woche nicht mehr, aber nächste Woche bestimmt.“ Eine Stunde nach diesem Gespräch erschien er dann doch und erledigte die klitzekleine Arbeit.
Die Aussage von Hernn Ustinov ist also doch wieder bloß ein unbegründeter Männerspruch über Frauen, oder?

Tatsächlich schreiben Männer Frauen gerne ‚Unberechenbarkeit’ zu, und viele Frauen, die ich kenne, übernehmen das gerne und nutzen diesen Handlungsfreiraum auch gehörig aus.
Ist aber doch etwas dran? Etwas Geschlechtsspezifisches? Ich weiß es nicht, und anscheinend weiß keiner es wirklich, daher gibt es vielleicht so viele Leuten, die über diese Sachen ihre festen Überzeugungen kundtun und sie sogar als feststehende Fakten ansehen.

Nun gut, ich bin also schon frech genug, in dieser Zusammenhang über Frauen etwas zu sagen, aber bei einem Vortrag mit diesem Titel, der fast alles umschließt, was man sich dabei vorstellen könnte, sollte das auch möglich sein. Entsprechend werde ich mich auf die Bereiche beschränken, die mir persönlich am Herzen liegen. Und wenn ihr dann im Nachhinein den roten Faden nicht bemerkt habt, oder ein Mangel an Struktur in diesen Vortrag gesehen habt, dann darf das dem Chaos zugesprochen werden, vielleicht einer typisch männlichen Eigenschaft.

Ich möchte zuerst ein wenig in die Geschichte ‚tauchen’, jedoch nicht, weil sich dadurch heutige Missstände legitimieren lassen, sondern eher um die noch immer bestehende Ungleichwertigkeit der Geschlechter ins Bewusstsein zu rufen. Hauptsächlich aber, weil ich auf diesem Gebiet ein wenig geforscht habe, und darüber dann auch etwas loswerden möchte.

Da wir fast alle in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die christlich geprägt ist, sind wir das auch. Daher sollte ich nicht auf glasige Augen des Unverständnisses stoßen, wenn auch das Religionsbuch der Christen, die Bibel, zugezogen wird.... so wie jetzt.......
In diesen Zusammenhang sei aber nur nebenbei erwähnt, dass nach sprachwissenschaftlichen Studien das älteste Bibelfragment, das Siegeslied der Miriam nach dem Durchzug durch das Schilfmeer, einer Frau zugeschrieben wird.

  Frühgeschichte 

Aus dieser Bibel kennen wir die Geschichte von Kain und Abel, in der der Ackermann Kain seinen Bruder Abel, der Schäfer den Hirten erschlägt. Das ist insofern erwähnenswert, weil nach historischem Ablauf das Umgekehrte wahrscheinlicher gewesen wäre. Über die Jahrtausende gab es immer wiederkehrende Gegensätze und Konflikte zwischen sesshaften, Ackerbau treibenden Völkern und Viehzüchtern, die ein großes Weidegebiet brauchten und immer weiter zogen, wenn ein Gebiet abgegrast war. Fast immer waren es dabei die Hirtenvölker, die sich durchsetzen konnten, sie waren stärker, hatten mehr kämpferische Energie. Ernährungswissenschaftlich ist das auch erklärbar:
Die Nahrung der Hirtenvölker bestand hauptsächlich aus Fleisch, Milch und davon abgeleiteten Produkten. Wer das in größeren Mengen zu sich nimmt, ist stärker, energischer und angriffslustiger als jemand, der sich weitgehend von pflanzlichem Eiweiß ernährt. Bei den Tieren sehen wir das auch ganz klar: Raubtiere fressen fast ausschließlich Fleisch und brauchen genau diese Eigenschaften um an ihre Nahrung zu kommen. Dagegen sind Pflanzenfresser generell nicht aggressiv. Dieses Naturgesetz galt auch für die frühen Jäger- und Bauernvölker.
Es wäre schon interessant, wenn jeder von uns bei sich nachspüren würde, ob, und inwiefern das noch gilt. In Kreisen der Kampfsportler, insbesondere beim Boxsport, wird noch oft vom Trainer empfohlen vor einem wichtigen Kampf einige Zeit täglich fast rohe Steaks zu essen.

Aber diese Überlegenheit der Jäger und Hirtenvölker lag auch in ihrer Lebensweise und war tiefgreifend charakterformend; die Nachtwachen bei der Herde und andauernde Kämpfe gegen Raubtiere und menschliche Feinde prägten die Verhältnisse innerhalb des Stammes. Völker, die ursprünglich Viehzüchter waren, kannten eine klare männliche Dominanz: der Mann war der Herr und Frauen dienten. So war das z.B. bei den Indo-Europäern, bei den Semiten, bei den Hunnen, den Mongolen und den Türken.
Hingegen war es bei den meisten frühen Ackerbauvölker umgekehrt.
Reinhard Schmoekel schreibt in seinem Buch „Die Indoeuropäer":

"Im Grunde sind alle modernen Bemühungen um die Emanzipation der Frau, um die rechtliche und praktische Gleichberechtigung der beiden Geschlechter nichts anderes als der Versuch, diese von den Indoeuropäern und den anderen Viehzüchtervölkern bis heute durchgesetzte patriarchalische Ordnung der Gesellschaft abzubauen."

Vielleicht etwas simplifizierend, aber es könnte Teil einer Erklärung sein.

Das Europa von vor etwa 6500 Jahre war zwar sehr dünn besiedelt, aber es gab immerhin eine Besiedelung. Woher diese Menschen kamen, ist nicht bekannt, aber sie sollen hauptsächlich Ackerbauern gewesen sein, wobei der Begriff ‚Acker’ nicht im so kultivierten Sinne, wie wir das kennen, aufgefasst werden muss.
Es gibt viele ziemlich klare Hinweise, dass diese Bevölkerung, meistens bezeichnet mit dem Namen ‚Alteuropäer’, matriarchalisch organisiert war: Es gab eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Herrschaft und Eigentum vererbten sich dabei über die Mütter. Anscheinend gab es keinen Adel, keine Bevölkerungsschicht, die mehr bevorrechtet war als der Rest. Gottheiten waren, nach den vielen gefundenen Abbildungen, überwiegend weiblich, zwischen benachbarten Gruppen scheint es relativ friedlich zugegangen zu sein. Vom Matriarchat im Sinne von gesellschaftspolitischer Herrschaft kann im eigentlichen Sinn aber nicht die Rede gewesen sein.

An dieser Stelle ist ein kleiner Ausflug über die Frage nach einem Matriarchat in Mittel- und Nordeuropa sinnvoll.
Zuerst kurz der Begriff Matriarchat; da gibt es in den verschiedenen Quellen unterschiedliche Definitionen, die sich manchmal decken, öfters aber auch nicht. Einer der bekanntesten Definitionen, der auch heute noch sehr oft ziziert wird ist diese:

Matriarchat bedeutet Herrschaft der Frauen. Das Wort entstand am Ende des 19. Jahrhunderts. Es bezeichnet die politische Herrschaft der Frauen in einer Gesellschaft und ihre Dominanz innerhalb der Familie.

Wobei schon das Wörtchen HERRschaft da eigentlich fehl am Platz ist, vielleicht ist sogar der ganze Begriff irreführend. Aber gleich noch mehr dazu......

1861 publizierte der Baseler Johann Jakob Bachofen sein Buch "Mutterrecht und Urreligion" und nur selten hat ein Buch so viele Irrtümer begründet, die bis heute noch immer in vielen Publikationen und Gesprächen durchklingen.
Bachofen meinte an Hand der damaligen historischen Kenntnissen an sehr vielen Stellen in der Geschichte Frauenherrschaft zu erkennen. Jetzt wissen wir schon lange, dass er viele solcher Anzeichen falsch gedeutet hat, der Fortschritt der Geschichtsforschung hat das auch klar gemacht.
Wenn in unserer Vorgeschichte die Rede ist von Göttinnen und Frauen mit vorherrschenden Positionen, kommen sofort Begriffe wie Matriarchat und Mutterrecht ins Zentrum der Diskussionen. Aber die viel besprochenen Amazonen und Seherinnen deuten bestimmt nicht unumgänglich auf Mutterrecht; hier ging es um Erbrecht und das muss nicht unbedingt mit weiblicher, bzw. ‚göttinlicher’ Vorherrschaft zu tun haben. Dennoch vor allem in heidnischen Kreisen gelten diese Irrtümer von Bachofen noch immer als feste Fakten und Glaubenseckpfeiler.

Matriarchat als "Herrschaft der Frauen" zu bezeichnen passt eigentlich nicht mehr bei der heutigen Stands der wissenschaftlichen Matriarchatsforschung.
Mit Matriarchat meint man nicht mehr einfach das Gegenteil von Patriarchat, also wo die Männer die Vorherrschaft haben. Nach dem heutigen Stand der Kenntnis sollen matriarchale Gesellschaften sich dadurch auszeichnen, dass sie keine Machtsausübung auf Grund des Geschlechts kennen. Die wichtigsten Merkmale solcher Gesellschaften sind:

  • die Gesellschaftliche Ordnung geht über die Mütter,
  • der Wohnort wird ebenfalls bestimmt durch weibliche Nachfolge,
  • solche Kulturen sind grossteils herrschaftsfrei
  • und kennen Gleichwertigkeit der Geschlechter.

Da aber der Begriff ‚Matriarchat’ durch den vielen unterschiedlichen Beschreibungen inzwischen recht schwammig geworden ist, wird auch manchmal das neugebildete Wort "matristisch" benutzt für solche Gesellschaften.

Ein anderer Irrtum muss ebenfalls ausgeräumt werden: Schon lange geistert in romantischen esoterischen Kreisen die Überzeugung umher, Frauenherrschaft bringe automatisch friedliche Zeiten mit sich. Sicher, solange sie Kinder erzieht, ist eine Frau auf Frieden angewiesen, aber wenn sie sich außerhalb dieser Funktion begibt, ist sie nicht friedlicher als der Mann, vielleicht im Gegenteil sogar, sie soll eine stärkere Gefühlsintensität und ein stärker Gefühl für ‚das unbedingt Notwendige’ haben, das sie unter Umständen zu einer furioseren, leidenschaftlicheren und kompromissloseren Kämpferin macht als der Mann.
Ist das dann vielleicht doch etwas das Frauen wirklich von Männern unterscheidet? Oder ist das doch auch wieder etwas, das sich unter bestimmten sozialen, gesellschaftlichen Bedingungen entwickeln kann? Und das sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Vielleicht sind nur unterschiedliche Bedingungen dafür erforderlich.

Ebenso sollen Emotionen wie Begeisterung, aber auch Hass und Rachsucht bei Frauen stärker sein als bei Männern und diese Eigenschaften könnten eine Frau in eine furchteinflößende und todesverachtende Kämpferin verwandeln. Gerade da sind die Amazonen sprechende Beispiele, aber auch die russischen Soldatinnen in 2. Weltkrieg.
Ist das wieder erziehungs- oder umgebungsbedingt, oder ein weibliches Merkmal?

In den 'germanischen' Mythen gibt zB. Kriemhilds Rache wenig Grund Frauen grundsätzlich mehr Friedenswillen und Menschenliebe als Männern zuzuschreiben. Aber sind diese Mythen nicht von nur Männern aufgeschrieben und diese haben den Frauen vielleicht darin solche Eigenschaften zugedichtet?

Auch in anderen germanischen Mythen spiegelt sich das wieder. Denken wir dabei z.B. an die Nornen. Nach allen alten Quellen sind das vollkommen unnahbare Gestalten, dem warmblütigen Menschenleben entrückt. Als Göttinnen sind sie möglicherweise nicht zu betrachten, sie befinden sich auf einer eigenen 'Ebene', sogar alle Gottheiten sind ihrem Schicksalsgewebe unterworfen. Sie sind unbeugsam, erfüllen keine Bitten, eben das Schicksal im wörtlichen Sinn.
Der Krieg ist in den Augen der Nornen als Urgesetz der Menschen zu sehen, denn das bedeutet das Wort Orlog; noch heute heißt auf niederländisch das Wort ‚Krieg’ „Oorlog“. Wie die Religionswissenschaftlerin und Autorin Britta Verhagen es schreibt:

"Die Schicksalsfrauen vertreten die Unerbittlichkeit und Unverrückbarkeit des menschlichen Geschickes und die ewigen Gesetze des Seins."

Wer also verlangt nach Frieden, Sanftheit, Glück und Harmonie muss das nicht unbedingt mit Frauenführung verknüpfen. Eine Chance sollte so eine Führung aber dennoch haben, wenn man bedenkt, wie erbärmlich Männerherrschaft gerade diese Sachen in den letzten zweitausend Jahren realisiert hat.

Aus diesem kurzen Exkurs über Matriarchat möchte ich nicht zuviel destillieren, vielleicht bloß, dass weder Sanftheit und Friedlichkeit, noch Grausamkeit und Kampfeswut typische Eigenschaften von Männern oder Frauen sind, vermutlich nicht mal nur menschlich sind sie. Ebenso wenig geschlechtsgebunden sind Sachen wie Ein- und Durchsicht und Weisheit.

 Soweit dieser 'Ausflug' – zurück zur Geschichte 

So etwa vor 6500 Jahre rückten dann kleinere Gruppen Hirtenvölker in dieses alte Europa vor. Die Kurganhirten, so nennen wir sie heute, wohnten wahrscheinlich ursprünglich direkt nördlich vom Schwarzen Meer, und zogen von dort in verschiedene Richtungen. Nach Europa gab es vier Auswanderungswellen, der letzte soll so etwa um 2200 v.u.Z. abgeschlossen gewesen sein. Durch ihre Überlegenheit, die sie nicht nur faktisch durch Reitpferde und viele Waffen besaßen, sondern auch gefühlsmäßig zeigten, setzten sie sich überall durch und sollen ihre patriarchale Gesellschaft gefestigt haben, in der die reichen Männer und die Priester das Sagen hatten. Der Reichste (derjenige, der die größte Herde hatte) war faktisch damit auch der Angesehenste und baute sich das größte Haus, umgeben von kleineren Häusern. Da war also schon die Rede vom Adelstand. Absolute Herrschaft werden sie dennoch wahrscheinlich nicht gehabt haben, ein Rat der Familienoberhäupter, die wir im römischen Senat noch erkennen können, hatte ebenfalls viel Einfluss. Die alten Kurganvölker sollen auch eine ‚Versammlung aller wehrhaften Männer’ gekannt haben, die ‚Teuta’ genannt wurde, in dem wir unser Wort ‚deutsch’ zurückerkennen könnten.

Seit dem Eintreffen der Kurganhirten vor 6500 Jahren soll der Norden und die Mitte Europas kein Matriarchat gekannt haben, so sagen es die meisten Geschichtsforscher, bestenfalls kann von einer Mischgesellschaft gesprochen werden, einer Gesellschaft also, in der die Vorherrschaft vielleicht nicht auf Grund des Geschlechts bestimmt wurde.
Wenn das tatsächlich stimmen würde, dann müsste aber die patriarchalische Kultur der Kurganleuten nach der Vermischung mit den Alteuropäern und die Zunahme des Ackerbaus schwächer und die ursprüngliche Kultur in dieser Hinsicht wieder stärker geworden sein. Unmöglich ist das sicher nicht, aber es kann nicht mehr als Spekulation sein.

 Germanen 

Bei den Germanen auf dem europäischen Festland schließlich wird es manchmal vermutet, dass sie, jedenfalls bis zu ihren intensiven Kontakten mit den Römern, so einer Mischgesellschaft hatten.
Der Norden Europas kannte sehr schwierige Lebensverhältnisse, Jagd, Fischerei, Seefahrt und Kampf beanspruchten die größere Körperkraft des Mannes, und wenn auch die Frau viel härter sein musste als Frauen, die viel südlicher wohnten, hatten in den nördlich gelegenen Gebieten wahrscheinlich die Männer das Sagen über gesellschaftliche Sachen, die heutzutage als wichtig angesehen werden. Dennoch, auch germanische Frauen leisteten harte Arbeit und kämpften oft an der Seite der Männer, oder ihnen soll die Verteidigung des Hauses vorbehalten gewesen sein. Frauen hatten generell bei allen nordischen Völkern eine ausgesprochen hohe Stellung; in den Mythen und Sagen finden wir viele starke weibliche Persönlichkeiten, die auch so von den Männern gesehen und bewundert wurden. Jedenfalls, so in etwa stellen es manche Autoren dar. Ob das aber so stimmt, mag in bestimmten Hinsichten fraglich sein.

Deshalb jetzt einige Worte zum Überdenken hierzu:

Wir stufen seit dem frühen christlichen Mittelalter, und noch verstärkt seit der Renaissance Era die Entscheidungsbereiche der Frühzeit in Hierarchien ein; und zwar nach den jeweils aktuellen Maßstäben. Staatlich-gesellschaftspolitische Bereiche stehen dabei an höchster Stelle, dann geht es abwärts bis zu der kleinsten sozialen Einheit, die Familie. Diese Hierarchie übertragen wir auch auf die germanische Gesellschaft. Das ist aber mindestens fragwürdig. Es gibt auch sehr annehmbare Gründe, das fast umgekehrt zu sehen; die ‚höheren’ Entscheidungsgebiete waren damals letztendlich nur dazu da, die Familie und das eigene Haus zu schützen. So gesehen standen, wenn man unbedingt eine Hierarchie der Entscheidungsbereiche aufbauen möchte, Familie und Haus an höchster Stelle der Bewertung. In der Familie aber hatten Mann und Frau zwar unterschiedliche Aufgaben, sie waren aber hierarchisch gesehen, vermutlich gleichwertig. Das würde noch ein ganz anderes Licht auf die Position der germanischen Frau hinsichtlich Entscheidungsgewalt werfen;

Denn dann ist auch eine Versammlung wehrhafter freier Männer nicht ein oberstes Gremium, sondern bloß eine Versammlung, wo man überlegte wie die Aufgaben, für die sie zuständig waren, am Besten ausgeführt werden könnten. Damit hätte die Abwesenheit von Frauen bei solchen Versammlungen keine hierarchische Gründe, sondern praktische; Frauen werden in dieser Sichtweise auch ihre Versammlungen gehabt haben, wo sie mit einander über die Ausführung der Arbeit, für die sie zuständig waren, überlegten.
Diese Überlegung ist freilich nur Mutmaßung, sie sollte dennoch nicht zu leicht verworfen werden!

Aus der frühesten Geschichte gibt es bereits Hinweise auf Kulte um eine Erdmutter und sie spielt bei fast allen Naturvölker, auch bei den Germanen eine wichtige Rolle. Sie ist bekannt unter sehr vielen Namen, einer der ältesten ist sicherlich ANA oder NANNA und das ist wieder zu erkennen in vielen Ableitungen. Auf altirisch bedeutet AMI ‚Göttermutter’. Die römische Göttin DIANA , der Name bedeutet »Göttin ANA«, war ursprünglich eine Erdmutter. Auf Lateinisch heißt ‚Mütterchen’ ANNULA. Die Kelten nannten die Erde ‚ANA’ und auf gotisch ist das F-ANA. ANA bedeutet auch ‚Sippenmutter’ und ist das Urwort für unser Begriff ‚Ahnen’, das erst später auch eine männliche Form bekam. War vielleicht die Ahnenverehrung also ursprünglich Erdmutterverehrung oder Mütterverehrung? Das wäre doch sicher einer tieferen Überlegung wert.
Wir kennen die Göttin NANNA als Gattin des Gottes Balder. Durch ihren Namen soll ihre Bedeutung jetzt auch sicher eine neue Überlegung wert sein!

Persönlich würde ich es schon gerne sehen, wenn es Asatruar geben wird, die sich einer Erdmutter Nanna verschreiben. Dass man dabei nicht auf die Edda zurückgreifen kann, sollte nicht als Problem empfunden werden, denn es geht hier um unsere Religion, und

"Religion kann nicht verstanden, nicht gedacht, sondern nur erlebt werden, erlebt mit jener tiefsten Schwingung der Seele, die den ganzen Menschen erfasst und in die letzten Tiefen alles Seins trägt. Führer zu diesem Erleben waren (und sind) seit Steinzeittagen die religiösen Rituale. Da sie sich nicht an den Verstand wenden, vermögen sie auch heute noch jene Schwingung auszulösen!" Britta Verhagen

Bei Wikingern soll Thor zu einer bestimmten Zeitabschnitt und in eine bestimmte geographische Gegend der beliebteste Gott gewesen sein, der dann auch am meisten um Unterstützung gebeten wurde. Gerade er entsprach wahrscheinlich damals am Besten den Vorstellungen der Männer, war das Inbild ihrer Ideale. Ich habe den Eindruck, dass es innerhalb der Asatrugemeinschaft mehr Leuten gibt als mir lieb ist, die Thor oder Donar in ihren Ritualen anrufen, weil er in den Mythen eine so wichtige Rolle spielt. Aber ist er wirklich auch das Inbild unserer Ideale? Der Bauernkumpel, der Hammerschwinger, der Faustkämpfer, der Riesentöter? Ist die kriegerische Bereitschaft kompromisslos alles nieder zu hauen, was uns bedrohen könnte, wirklich unsere ultimative Vorstellung von Konfliktlösung??
Das frage ich auch die Asatrufrauen, die ich so oft Thor anrufen hörte.

 19. und 20. Jahrhundert 

Bei den süddeutschen Bauern in dieser Zeitabschnitt herrsche strikte Arbeits- und Einkommensteilung; das Milchgeld und das Eiergeld gehörte der Bäuerin und sie hatte dadurch regelmäßige Einkünfte, während der Bauer nur momentane Einkünfte hatte, wenn er seine Ernte oder ein Stück Vieh verkauft hatte. Das galt in großen Teilen Süddeutschlands, im Bayerischen Wald sogar noch bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Im Proletariat des 19. und 20. Jahrhunderts war es normal, dass die Männer am Ende der Woche ihre Lohntüten abgaben und von ihren Frauen nur ein paar Pfennige davon bekamen um ein Bier zu trinken. Das verdiente Geld wurde von den Frauen eingeteilt und verwaltet.
In der bürgerlicher Schicht aber behielt der Mann das Geld und teilte der Frau nur das notwendige Haushaltsgeld zu.

Bei den armen Familien, wo der Vater immer das größte Stück Fleisch bekam, deutete das nicht auf ein patriarchalisches Verhalten, sondern auf die Notwendigkeit, dass der Mann das brauchte, damit er genügend Kraft behielt für die Schwerstarbeit.

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Heute 

Bei einem Paar, bei dem anscheinend die Frau die meisten Entscheidungen trifft, wird der Mann von seinen Geschlechtsgenossen oft als ein Weichei beschimpft, anderseits, wenn der Mann dort ‚das Sagen’ hat, wird die Familie von kritischen Beobachtern oft als patriarchalisch gesehen, und von Konservativen als ein Musterbeispiel einer idealen Gesellschaft.

Oft aber erzählen mir Leute, dass es bei Ihnen ganz anders geht; anstehende Entscheidungen werden erst diskutiert und dann gemeinsam getroffen. Nicht das Geschlecht, sondern die- oder derjenige mit den besten Argumenten, mit dem größten Mund oder mit der längsten Ausdauer ‚darüber zu reden’ ist dann bestimmend. Lassen wir dabei Scheinargumente, die aber oft durchschlagend sind, wie „du liebst mich nicht mehr, sonst hättest du ....“ hier mal außer Sicht.

Was lehren uns jetzt diese kurzen zugegeben sehr skizzenhaften Einblicke in historische und historisch-spekulative Fragmente für unser Verhalten heute?

Letztendlich ist das Matriarchat der Urgeschichte ein Glaubensfrage:
Wer die matriarchale Theorien und an das dazugehörende Bild der Geschichte glaubt, die oder der wird in den archäologischen Funden unschwer mögliche Matriarchate sehen. Aber die Idee eines matriarchalen Zeitalters ist ein Postulat, d. i. eine Grundannahme ohne Beweis. Und wenn ich also meine, generell hat es bestimmt Matriarchate gegeben, und davon bin ich für michselber überzeugt, dann ist das nur meine persönliche Auffassung und Interpretation und in keinster Weise historischer Fakt.
Kritikerinnen und Kritiker die das Matriarchat für eine moderne Mythos halten, darf man aber jedenfalls soweit zustimmen, dass so eine Mythos mehr über unsere heutige Gesellschaft sagt, als über irgendwelche Vergangenheit.

Weiter soll diese geschichtlicher Ausflug eigentlich nicht übermäßig viel sagen müssen;
erstens dienten sie der Forschungssucht des Referenten, aber dann.... sie sollten uns schon klar machen, dass weder männliche noch weibliche Vorherrschaft über das jeweils andere Geschlecht gerecht ist.
Das klingt zwar ganz einfach, die völlige Akzeptanz dessen aber ist schon ein sehr großer Schritt.
Was würde das in der Praxis für uns bedeuten? Jede(r) kann sich da eigene Gedanken machen, und ich würde mich auch freuen wenn ihr das macht.

Hier möchte ich aber eine Lanze dafür brechen, dass die häufig merkbare Überbetonung der Götter Platz macht für eine ebenbürtige Stellung der Göttinnen in unserer religiösen Praxis. Davon gibt es sogar noch klar mehr als Götter!
Um es mal klar und für viele unter uns sehr provokativ zu sagen: Weshalb sollten wir alle Wodan als höchsten der Götter sehen? Gibt es dafür wirklich einen religiösen Grund? Selber finde ich das nicht, deshalb ist für mich Holle, die Höchste aller Gottheiten...... wenigstens während den wenigen Momente, in denen ich da überhaupt eine Hierarchie unterstelle. Und das tu ich, ehrlich gesagt, äußerst selten.

Es gibt unter modernen Forschern eine breit akzeptierte Theorie, dass die Familie, so wie wir sie kennen, als gesetzliche Institution aus der Unterdrückung der Frau hervorgekommen ist, dass aus Herrschaft von Männern über Frauen die Herrschaft von Männern über Männer entstanden ist, und letztendlich die Bildung eines Staates ebenso. Es wäre schon interessant zu erfahren wie eine gesellschaftliche Ordnung aussehen würde unter (jedenfalls klar mehrheitliche) weibliche Führung!
Das soll aber nicht als Plädoye für so einer Situation verstanden werden, denn die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung in allen Bereichen, wo noch Ungleichwertigkeit auf Grund des Geschlechtes besteht wäre eher anzustreben. Dabei können wir nicht auf der Geschichte im faktischen Sinne zurückgreifen; es hat solche Verhältnisse in so einer Gesellschaft wie heute wahrscheinlich nicht schon gegeben, aber wenn doch, dann so lange zurück, dass wir darüber weiter nichts wissen. Für die Realisierung sind wir daher auf uns selber angewiesen, praktische nachahmbare Beispiele haben wir nicht.
Einfach ist so ein Weg sicherlich nicht, denn Bewegungen gegen patriarchale Strukturen und für mehr echte Gleichberechtigung wurden noch nie wirklich von allen Schichten der Bevölkerung unterstützt;

"Die herkömmliche Unter- und Mittelschicht - Bauern, kleinstädtische Ladenbesitzer und andere, die nicht vom Konsumüberfluss profitieren und fühlen, dass ihre Wertbegriffe und ihre Identität bedroht sind - halten starr an der alten patriarchalisch-autoritären Ordnung fest; sie werden zu wütenden Gegnern der neuen Tendenzen und vor allem derjenigen Gruppen, die die neuen Werte und Stilrichtungen am deutlichsten und radikalsten zum Ausdruck bringen." Erich Fromm

Dies bezieht sich auch auf Asatru..... schließlich sind sie Teil der heutigen Gesellschaft.
Mit Selbstreflexion und Gesprächen unter einander kann jedenfalls dafür gesorgt werden, dass sich keine unerwünschten Hierarchien bilden, insbesondere nicht solche, die auf dem Geschlecht beruhen.
In Asatru muss großen Wert darauf gelegt werden; es darf keine geschlechtsbegründete Hierarchie geben, Männer und Frauen sind in vieler Hinsicht nicht gleich, aber sicher gleichwertig und das muss sich in der Praxis der Asatru auch zeigen.

Auf Papier klingen solche Sachen für die meisten Leute schon großartig und selbstverständlich, und wenn es ausgesprochen wird, ebenfalls. Aber so etwas muss gezeigt werden, muss im alltäglichen Handeln selbstverständlich sein, es muss gelebt werden. Erst dann wird es glaubwürdig! Und das erfordert zunächst sich vieler Sachen bewusst zu werden, die automatisch als typisch männlich und typisch weiblich eingestuft werden:

  • Sind Männer wirklich die besseren Autofahrer?
  • Gibt es wirklich Berufe und Tätigkeiten, die Frauen auf Grund des Geschlechts besser können als Männer? Und das Gleiche auch umgekehrt.
  • Können Frauen besser einen Haushalt führen?
  • Wollen Männer wirklich alle ‚das’ gleiche?

Und wenn es auf Grund biologischer Unterschiede solche Sachen gibt, auch dann noch sollten wir uns abfragen, ob wir dem entgegenkommen sollten; wenn ein Mann etwas erledigen kann, das eine Frau auf Grund ihres Geschlechts besser könnte, dann sollte das für ihn kein Grund sein es zu lassen. In der Frauenbewegung gibt es diese Art des Vorgehens bereits, wie der Spruch zeigt: „Eine Frau, die versucht, so gut zu sein, wie ein Mann, hat einfach keinen Ehrgeiz“. Männer neigen bislang eher dazu, Tätigkeiten, von denen sie annehmen, dass Frauen sie besser können, einfach abzulehnen.

Wenn es um Männer und Frauen geht, dann spielt Sexualität und Sexualmoral oft eine bedeutende Rolle, im Hintergrund spielt das sogar oft viel stärker mit, als wir uns meistens eingestehen wollen. Daher ist es nur gerecht auch hier nicht daran vorbei zu gehen......

Aus unseren Mythen wissen wir, dass es bei den Göttern viele Ehen gibt, dass aber auch Göttinnen und Götter daneben munter ihren Liebschaften nachgehen, und es viele außerehelichen Götterkinder gibt. Wenn, wie von vielen Mythenforscher behauptet, die Göttermythen ein Abbild der damaligen Gesellschaft der Menschen sind, und das scheint annehmbar, dann hatte die Ehe wohl eine andere Bedeutung als es in unseren Tagen der Fall ist. Die bürgerliche Ehe, so wie wir sie kennen, ist dann auch keine Fortsetzung aus germanischer Zeit, sie kommt aus dem Mittelmeerraum und hat andere gesellschaftliche Hintergründe.

Die Ehe und ähnliche 'Bindungen' hatten und haben noch immer in ihrem Wesen eine ökonomische Funktion, die mit gesetzlichen Vorschriften unterstützt wird, es ist keineswegs die natürliche Einrichtung für die Gründung einer Familie.
Sie war ursprünglich auch nicht verknüpft mit Ansprüchen auf das exklusive Recht auf sexuelle Aktivität des Partners. Einen monogamen Instinkt haben wir nicht, die Eifersucht, die wir dabei nur zu gut kennen, ist ebenso wenig natürlichen Ursprungs.
Monogamität ist wohl auch erst entstanden, nachdem die monogame Ehe sich gefestigt hatte. Und diese ist wahrscheinlich entstanden, als in den frühen Kulturen der Herdenbesitz vor Ackerbau, Sammeln und Jagd die zentrale Rolle einnahm, der Mann war der Besitzer der Herde und bekam damit eine klare ökonomische Überlegenheit über die Frau. Wo dieses Hirtenstadium nicht oder viel später stattfand, blieb auch die monogame Ehe länger aus.

Seien wir mal ehrlich: Was in unserer Gesellschaft als ein heimlicher Bereich angesehen wird, manche nennen es sogar die Schattenseiten der Gesellschaft, das umfasst sehr viele Männer und Frauen in Partnerschaftsbindungen, die daneben auch ihre Liebschaften haben. Ich möchte nicht mal die Reaktionen und Folgen abschätzen, wenn mit den vorhandenen und zukünftigen genetischen Methoden alle Kinder auf Abstammung der Eltern untersucht würden.

Ist das aber für Asatruar heute verwerflich? Eine Antwort auf die Frage sollte man nicht mit bloß einem ‚Ja’ oder ‚Nein’ beantworten, sondern zusätzlich sich auch Gründe und Hintergründe der eigene Reaktion bewusst machen.
Verliebtheit, Liebe und Lust an sich kennen keine natürlichen Grenzen, sie auf einen einzelnen Partner/in zu beschränken mag deshalb möglicherweise im natürlichen Sinne unnatürlich sein. Es gibt aber in unsere heutige Gesellschaft moralische Regeln und Vorgaben die besser zu befolgen sind, wenn man in diese Gesellschaft harmonisch leben möchte – auch das sollte in diesen Überlegungen einbezogen werden.

Vieles von den Sachen über Gleichberechtigung der Geschlechter sind freilich nicht typisch Asatru, aber sie sollten schon zum Asatru-Alltag dazugehören; denn viele viele Asatruleute glauben, dass Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit zwischen Männer und Frauen zu ihren Wurzeln gehören, zwar wahrscheinlich nicht aus Wikinger-Zeiten, sondern aus Zeiten davor, vielleicht spätestens zu der Zeit, als Germanische Völker gerade die Römer kennen lernten. Mit der Kultur der Römer kamen höchstwahrscheinlich auch deren patriarchalischen Auffassungen in die germanischen Gesellschaften.

Vielleicht fragt sich jetzt manch eine(r) ab, weshalb so ein Thema heutzutage noch angesprochen wird. Denn viele werden möglicherweise der Meinung sein, dass es doch schon Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gibt. Es ist sogar im Gesetz festgelegt.
Die Praxis sieht leider oftmals anders aus. Nur so ein paar Denkanstöße:

  • Wie viele Männer und Frauen sind Minister und Staatsekretär in der Bundesregierung? Wie ist das Verhältnis?
  • Und wie steht es damit in euerem Bundesland?
  • Und in euerem Kreis?
  • Und in eurer Gemeinde?
  • Und in euerm Verein?
  • Und in der Führung deiner Firma?
  • Und .......

Damit ist diese Erörterung fast zu Ende. Ob es tatsächlich zu eigenen Überlegungen oder sogar entsprechendes Verhalten führt hängt alles an den eigenen Willen und Eigeninitiative. Es der jeweiligen Gottheit zu überlassen, wäre einfach nicht der richtige Weg, was folgende, freilich wahr geschehene Geschichte, mit Dank an Robert Anton Wilson, deutlich machen sollte:

Eines Tages hatte der Große Reform-Aktivist die Göttin leidenschaftlich gebeten sich in seiner Gegenwart aufzuhalten und ihn anzuhören. Kurz nach diesem flehentlichen Gebet sprang von sich aus das Radio an, und eine weibliche Stimme sagte:


JA? HIER BIN ICH.

Der RA rief in Verzückung:

O höchste Göttin, Erdmutter und Urmutter aller Menschen, Königin der Ordnung und Herrin des Chaos, Fürstin der Harmonie und Gebieterin der Zwietracht. Bringerin der Harmonie und Säherin der Verwirrung. Erlesene Dame, ich bitte dich flehentlich eine schwere Last von meinen Herzen zu nehmen!

Göttin:
WAS MACHT DIR PROBLEME? DU HÖRST DICH JA GAR NICHT GUT AN!

RA:
Ich bin von Furcht erfüllt und werde von fürchterlichen Visionen des Schmerzes gequält. Überall verletzen Menschen einander, Ungerechtigkeit greift immer mehr auf unserer Erde um sich, ganze Gesellschaften plündern Gruppen ihres eigenen Volkes, Mütter bringen Söhne ins Gefängnis, Kinder verschwinden, während Brüder Krieg führen, Frauen werden unterdrückt, Ach weh, ach weh!

Göttin:
ACH, WAS MACHT’S, WENN ES DAS IST, WAS IHR WOLLT?

RA:
Aber keiner will es, jeder hasst es!

Göttin:
ACH SO. DANN HÖRT DAMIT AUF.

Und die Stimme machte Platz für eine Werbung für eine noch stärkere Aspirintablette.


Einige Zusatzerläuterungen

Matriarchat
Traditionell bedeutet es „Herrschaft der Frauen“.
Das Wort entstand am Ende des 19. Jahrhunderts. Es bezeichnet die politische Herrschaft der Frauen in einer Gesellschaft und ihre Dominanz innerhalb der Familie. Es gibt aber inzwischen recht viele unterschiedliche Beschreibungen für diesen Begriff, austauschbar ist es z.B. mit ‚matristische Gesellschaft’. (s.u.)

Matrifokalität
Ein neues, erst etwa 20 Jahre altes Wort. Es ist zusammengestellt aus den zwei lateinischen Worte ‚Mater’, d.h. Mutter und ‚Focus’, das bedeutet ‚Brennpunkt’ oder Mittelpunkt. Es handelt sich hier um Gesellschaften, die in ihre ganze Struktur auf Frauen ausgerichtet sind; die Abstammung geht über die Mütter,
und der Wohnort wird ebenfalls bestimmt durch weibliche Nachfolge. Diese Struktur kann zu einem Übergewicht der Frauen führen, ein Gleichgewicht der Geschlechter soll es hierbei aber öfters gegeben haben.

Matrilinearität
Die Verwandtschaft und Nachfolge beruht auf Mutterfolge. Kinder gehören dabei also zur Verwandtschaft ihrer Mutter, nicht des Vaters.

Matrilokalität
Der Begriff deutet auf Ort, Wohnsitz der Familie. Dieser wird hier bestimmt durch die Lineage, d.h. die Abstammungsgruppe der Frau. Die ganze Familie lebt dort, wo sich der Blutsverwandte Gruppe der Frau befindet. Dies gibt es nur in Gesellschaften, wo auch von Matriliniarität der Rede ist. Außer Matri- und Patrilokalität soll es auch mehrere Zwischenformen gegeben haben.

Matristische Gesellschaften
Der Begriff entstand in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Gemeint wird damit ein gesellschaftliches Übergewicht der Frauen. Gemeint damit ist, dass die Gesellschaftliche Ordnung über die Mütter geht, und der Wohnort wird bestimmt durch weibliche Nachfolge.
Solche Kulturen sind grossteils herrschaftsfrei und kennen Gleichwertigkeit der Geschlechter.

Weil es in solchen frühen Gesellschaften keine politische Herrschaft gab, scheint der Begriff Matriarchat, als Gegensatz zu Patriarchat, dass sehr wohl politische Herrschaft umfasst, fehl am Platz zu sein. Daher fing man an der Begriff ‚matristisch’ zu verwenden.

Mutterrecht
Mit diesem Wort kann einfach sehr Vieles gemeint werden, je nach belieben der Benutzer werden damit Begriffe wie Matriarchat, Matrilinearität, matristische Gesellschaften oder Matrifokalität gemeint, manchmal sogar mehrere davon auf einmal. Der zuvor genannter Autor Bachofen benutze es wahrscheinlich als erster, und meinte damit Gynaikokratie, d.i. griechisch für Frauenherrschaft. Später wurde Gynaikokratie durch Matriarchat ersetzt. Schon wegen der Frage welche Bedeutung das Wort jeweils hat, sollte es besser vermieden werden.

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Benetzte Literatuur:

Amstadt, Jakob, Die Frau bei den Germanen, Matriarchale Spuren in einer patriarchalen Gesellschaft, Stuttgart-Berlin-Köln, 1994.

Fromm, Erich, Liebe, Sexualität und Matriarchat, München, 1997

Ranke-Graves, Robert von, Die weisse Göttin, Hamburg, 1985, 7. Auflage 2002.

Röder, B., Hummel, J., Kunz, B., Göttinnendämmerung, Königsfurt, 2001.

Schmoekel, Reinhard, Die Indoeuropäer, Bergisch-Gladbach, 2004

Verhagen, Britta, Die uralten Götter Europas und ihr fortleben heute, Tübingen, 1999

Wesel, Uwe, Der Mythos vom Matriarchat, Frankfurt a.M., 1999

Wilson, R.A., Principia Discordia, Schnega, 1994

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